Autofahren auf winterlichen Straßen stellt sogar für viele erfahrene Kraftfahrer eine echte Herausforderung dar. Unabdingbar ist es daher, auf die richtige Bereifung zu achten. Nur mit guten Winterreifen sind Sie sicher unterwegs, diese Reifen bestehen aus einem besonderen Gummigemisch und verfügen über ein besonders strukturiertes Profil, das hervorragenden Halt auf vereisten und verschneiten Straßen bietet. Das Gummigemisch bietet auch bei Minustemperaturen im sehr niedrigen Bereich noch eine gute Elastizität und damit eine gute Haftung auf winterlichen Straßen. Bei Sommer- und Ganzjahresreifen sieht das ganz anders aus, das Gemisch von Sommerreifen verhärtet bereits bei einer Temperatur von 7 Grad Celsius und wird mit absinkender Temperatur immer härter. Nicht ganz so schlecht sind die Eigenschaften von Ganzjahresreifen bei niedrigen Temperaturen, doch trotzdem sind die Ganzjahresreifen im Winter nicht gerade zu empfehlen. Das Profil der Sommer- und Ganzjahresreifen ist längst nicht so stark ausgeprägt wie bei Winterreifen. Ganzjahresreifen sind allenfalls ein billiger Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen, der allerdings, unter dem Strich betrachtet, gar nicht so günstig ausfällt. Da Sie diese Reifen das ganze Jahr über fahren, verschleißen sie schnell, neue Reifen müssen her. Wie sieht es nun eigentlich mit der Winterreifenpflicht in Deutschland aus?

Regelung der Winterreifenpflicht in Deutschland

Die Einleitung deutet bereits darauf hin, wie wichtig Winterreifen für Ihre eigene Sicherheit und für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer sind. Aus diesem Grunde wird bereits seit vielen Jahren in der Politik kontrovers darüber diskutiert, in Deutschland Winterreifen für die kalte Jahreszeit zur Pflicht zu machen. In Deutschland herrscht inzwischen eine Winterreifenpflicht, in der Straßenverkehrsordnung ist vorgeschrieben, mit der angemessenen Bereifung zu fahren. Ein Kompromiss wurde gemacht, seit dem vierten Dezember 2012 müssen Sie im Winter mit Reifen unterwegs sein, die über die Kennzeichnung M+S für Matsch und Schnee verfügen. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass es sich um echte Winterreifen handeln muss. Ganzjahresreifen tragen ebenfalls die Kennzeichnung M+S; sogar Reifen, die alles andere als tauglich für den Winter sind, verfügen teilweise über diese Kennzeichnung. Häufig handelt es sich bei diesen Reifen um billige Sommerreifen asiatischer Hersteller. Die Verkehrsminister von Bund und Ländern verständigten sich zwar bereits im Oktober 2010 in Schloss Ettersberg bei Weimar auf ihrer damaligen Herbstkonferenz auf eine allgemeine Winterreifenpflicht, doch dennoch konnten sie keine konkrete gesetzliche Regelung über die Einführung der Winterreifenpflicht erreichen. Lediglich eine Änderung in der Straßenverkehrsordnung bezüglich Reifen mit M+S-Kennzeichnung wurde vom Bundesrat durchgesetzt. Die Straßenverkehrsordnung legt nicht fest, wann Sie mit M+S-Reifen unterwegs sein sollten, sie beschreibt lediglich die Straßenverhältnisse:

  • Schneeglätte
  • Eisglätte
  • Schneematsch
  • Reifglätte.

Die Regelung in der Straßenverkehrsordnung trifft für PKW, LKW, Busse und Motorrad zu. Es geht dabei nicht nur darum, dass Sie bei Ihrem eigenen Fahrzeug die entsprechenden Reifen verwenden, sondern auch bei Mietwagen. Mieten Sie ein Fahrzeug an, so sollten Sie sich selbst über die vorhandenen Reifen informieren oder nachfragen, ob Winterreifen vorhanden sind. Auch für Ausländer, die mit ihrem Fahrzeug im Winter nach Deutschland kommen, gilt die Pflicht, mit M+S-Reifen zu fahren. Allerdings taucht nirgends in der Straßenverkehrsordnung die Bezeichnung Winterreifen auf.

Kontrollen durch die Polizei

Die Polizei ist dazu berechtigt, Kontrollen durchzuführen, ob die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung bezüglich der Winterreifen eingehalten werden. Sie erkennt bereits bei einem Blick auf das Profil der Reifen, ob es sich um Reifen mit der Kennzeichnung M+S handelt. Sind Sie mit der falschen Bereifung unterwegs, beispielsweise mit Sommerreifen, so kann die Polizei ein Bußgeld von 40 Euro erheben. Behindern Sie andere Verkehrsteilnehmer, da Sie im Winter mit Sommerreifen unterwegs sind, droht sogar ein Bußgeld von 80 Euro, verbunden mit einem Punkt in Flensburg. Parken Sie Ihr Fahrzeug bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen, ohne zu fahren, so drohen keine Konsequenzen. Sie sollten nicht nur auf die Kennzeichnung der Reifen mit M+S achten, sondern zusätzlich sollten Sie auf eine Mindestprofiltiefe achten. Der Gesetzgeber schreibt eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor, doch Tests vom ADAC haben ergeben, dass diese Profiltiefe für die Sicherheit nicht ausreicht. Besser ist eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern. Die Profiltiefe können Sie selbst ganz schnell testen, wenn Sie eine Zwei-Euro-Münze verwenden und in das Profil stecken. Ist der silberfarbene Rand dieser Münze nicht zusehen, so hat Ihr Reifenprofil noch die erforderliche Tiefe.

Verlust des Versicherungsschutzes

Sind Sie im Winter mit Sommerreifen unterwegs, so ist es abhängig von der Situation unterschiedlich um Ihren Versicherungsschutz in der Haftpflichtversicherung bestellt. Kommt es zu einem Unfall, wenn Sie im Winter mit Sommerreifen unterwegs sind, so erstattet die Haftpflichtversicherung dem Unfallopfer, also Ihrem Unfallgegner, der durch Sie geschädigt wurde, den Schaden, allerdings hat das finanzielle Folgen für Sie als Versicherungsnehmer. Abhängig von der Höhe des Schadens kann Ihnen der Versicherer anbieten, den Schaden aus eigenen Mitteln zu begleichen, damit Sie Ihre Schadensfreiheitsklasse behalten, doch kann er Sie auch in eine ungünstigere Schadenfreiheitsklasse zurückstufen. Haben Sie Vollkaskoschutz für Ihr Fahrzeug, so kann die Versicherung die Kostenübernahme verweigern, wenn Sie diesen Schaden fahrlässig verursacht haben, da Sie mit Sommerreifen unterwegs waren. Sind Sie hingegen statt mit Winterreifen mit Ganzjahresreifen unterwegs gewesen, so riskieren Sie Ihren Versicherungsschutz nicht. Dennoch sollten Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit auf Winterreifen nicht verzichten.

Winterreifenpflicht im Ausland

Fahren Sie im Winter mit Ihrem Auto ins Ausland, so sollten Sie sich zuvor informieren, welche Anforderungen bezüglich der Winterreifenpflicht im jeweiligen Land gelten. Sie sollten generell mit Winterreifen unterwegs sein, doch zusätzlich können Schneeketten Pflicht sein. Fahren Sie nach Österreich, so gilt dort keine generelle Winterreifenpflicht, doch müssen Sie, wenn Sie einen PKW oder einen LKW mit einem Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen fahren, zwischen dem 1. November und dem 15. April mit Winterreifen oder mit Schneeketten ausgerüstet sein. Die Mindestprofiltiefe für Winterreifen liegt in Österreich bei vier Millimetern. Für die Schweiz gilt auch keine generelle Winterreifenpflicht, doch müssen Sie mit Geldbußen rechnen, wenn Sie den Verkehr mit ungeeigneter Bereifung behindern. Fahren Sie mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen und kommt es zu einem Unfall, so werden Sie haftbar gemacht und müssen mit empfindlichen Strafen rechnen. In Italien sieht es mit der Winterreifenpflicht etwas anders aus. Für Strecken mit winterlichen Straßenverhältnissen kann vorübergehend die Benutzung von Winterreifen oder Schneeketten vorgeschrieben werden. Diese Regelung gilt besonders für die nördlichen Regionen wie die Provinzen Südtirol und Mailand. Winterreifenpflicht herrscht im Aostatal vom 15. Oktober bis zum 15. April. In Frankreich können Winterreifen, die sich dort Pneus neige nennen, bei den entsprechenden Witterungsverhältnissen vorgeschrieben werden. Diese Vorschrift erkennen Sie in den entsprechenden Regionen an der Beschilderung. Bei Fahrten nach Tschechien benötigen Sie vom 1. November bis zum 31. März Winterreifen, sie sind dort bei winterlichen Straßenverhältnissen Vorschrift. Alle Straßen in Tschechien sind von dieser Regelung betroffen. Vom 15. November bis zum 15. März herrscht bei winterlichen Straßenverhältnissen in Slowenien Winterreifenpflicht. In Kroatien gilt keine generelle Winterreifenpflicht, doch werden Winterreifen empfohlen. Bei winterlichen Straßenverhältnissen können Winterreifen für bestimmte Streckenverhältnisse vorgeschrieben werden. Für gewerbliche Fahrzeuge ist dort das Mitführen einer kleinen Schneeschaufel Pflicht. Bei Fahrten nach

  • Norwegen
  • Dänemark
  • Großbritannien
  • Niederlande
  • Polen
  • Belgien

gilt keine generelle Winterreifenpflicht. Zumeist können Sie in diesen Ländern an den Antriebsrädern Schneeketten verwenden, wenn die Straßen durchgängig verschneit oder vereist sind. Sie sollten in Ihrem eigenen Interesse, egal, wohin Sie fahren, rechtzeitig Winterreifen verwenden, um keinen Unfall und keine Strafe zu riskieren. Im Ausland gelten bezüglich der Strafen andere Regelungen als in Deutschland, so können bei Nichteinhaltung der Vorschriften empfindliche Geldstrafen und sogar Fahrverbote drohen.

Winterreifen zu Ihrer eigenen Sicherheit

In Deutschland herrscht die Pflicht, wenigstens Ganzjahresreifen zu verwenden, bei winterlichen Straßenverhältnissen, doch sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse und zu Ihrer eigenen Sicherheit auf Winterreifen nicht verzichten. Winterreifen wurden umfangreich getestet, bevor mit der Serienproduktion begonnen wurde. Die Reifen mussten sich unter vielen schwierigen Bedingungen bewähren, denn nur so konnten die Eigenschaften bezüglich winterlicher Straßen getestet werden. Nicht nur Ihre eigene Sicherheit riskieren Sie, wenn Sie im Winter nicht mit Winterreifen unterwegs sind, sondern Sie bringen auch andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr, egal, ob sie mit einem Fahrzeug oder zu Fuß unterwegs sind. Schnell können Sie von der Fahrbahn abkommen, wenn Ihre Reifen kein ausreichendes Profil haben oder wenn Sie nicht mit Winterreifen unterwegs sind. Das hat nicht selten tödliche Folgen. Denken Sie immer daran, dass ein Unfall auf winterlichen Straßen viel schlimmere Folgen haben kann als auf trockener Straße im Sommer. Vor allem das Blitzeis, das schnell auftretende Glatteis infolge von Regen und überfrierender Nässe, ist gefährlich. Auf Blitzeis bieten Ganzjahresreifen längst nicht den erforderlichen Grip, schnell können Sie rutschen. Es reicht allerdings nicht aus, Winterreifen zu verwenden, sondern die Winterreifen müssen die erforderliche Sicherheit bieten. Dazu gehört eine Profiltiefe von mindestens vier Millimetern, doch dürfen die Reifen auch keine Beschädigungen aufweisen. Verfügen Ihre Reifen noch über die entsprechende Profiltiefe und sind sie nicht beschädigt, so kommt es weiterhin auf das Alter der Reifen an. Die erforderliche Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet, wenn Ihre Winterreifen älter als sechs Jahre sind, da sich das Gummigemisch zersetzt und nicht mehr die erforderliche Elastizität bietet. Sie sollten sich an den letzten vier Ziffern der DOT-Nummer orientieren, die sich auf der Reifenflanke befindet. Diese Ziffern geben die Woche und das Jahr der Herstellung der Reifen an. Wichtig ist auch die Qualität Ihrer Winterreifen, denn Winterreifen sind nicht gleich Winterreifen. Sind Sie mit billigen Reifen aus Asien unterwegs, die als Winterreifen verkauft werden, so ist nicht immer die erforderliche Sicherheit gewährleistet. Sie sollten sich an Tests vom ADAC, der Stiftung Warentest oder anderen Testinstituten orientieren und Winterreifen kaufen, die gute Bewertungen erhalten haben. Runderneuerte Reifen als Winterreifen sollten Sie nicht kaufen, denn Sie müssen oft erhebliche Abstriche an Ihrer Sicherheit machen, ähnlich wie bei Reifen, die nicht gut ausgewuchtet sind. Vorsichtig sollten Sie bei gebrauchten Winterreifen sein, denn es kann sich dabei um alte oder bereits beschädigte Reifen handeln, bei denen die erforderliche Profiltiefe nicht mehr vorhanden ist.

Winterreifen in Deutschland – wann ist es Zeit dafür?

Der Gesetzgeber schreibt nicht vor, in welchem Zeitraum Sie Winterreifen bzw. Ganzjahresreifen aufziehen sollten, sondern er erwähnt lediglich die Straßenverhältnisse. Der ADAC empfiehlt die Nutzung von Winterreifen von O bis O, also vom Oktober bis Ostern. Das ist eine Faustregel, die zur groben Orientierung dient. Im Oktober müssen Sie teilweise bereits mit Reifglätte und sogar mit dem ersten Schnee rechnen, daher ist es sinnvoll, bereits Anfang Oktober auf Winterreifen zu wechseln. Ostern kann es noch kalt und glatt sein, beispielsweise, wenn das Osterfest bereits im März ist. Anders sieht es aus, wenn das Osterfest erst Ende April fällt, denn dann müssen Sie nicht mehr mit winterlichen Straßenverhältnissen in Deutschland rechnen. Eine weitere Orientierungshilfe ist die Sieben-Grad-Empfehlung. Sie sollten entsprechend dieser Empfehlung Winterreifen dann aufziehen, wenn die Temperatur unter sieben Grad Celsius absinkt. Das Gemisch, aus dem Sommerreifen bestehen, verhärtet bereits, wenn die Temperatur unter sieben Grad Celsius absinkt, daher sollten Sie an einen Wechsel denken. Grundsätzlich sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie Ihre Winterreifen Anfang Oktober aufziehen und Ende April auf Sommerreifen wechseln. Kaufen Sie rechtzeitig Winterreifen, denn oft können Sie sparen. So haben Sie die Winterreifen vor dem ersten Frost zur Hand und sind auf reifglatten Straßen und bei einem plötzlichen Kälteeinbruch sicher unterwegs.

Winterreifen – wie sieht es im Sommer aus?

Genau wie es keine Vorschrift gibt, Winterreifen zu verwenden, so gilt für den Sommer keine gesetzliche Vorschrift bezüglich der Reifen. Sommerreifen sind für sommerliche Straßenverhältnisse gemacht, sie bieten optimale Eigenschaften auf trockenen und auch auf nassen Straßen im Sommer und sorgen für einen geringeren Kraftstoffverbrauch, da sie leichter als Winter- und Ganzjahresreifen sind. Im Sommer wird nicht kontrolliert, mit welchen Reifen Sie unterwegs sind, es kommt lediglich auf die Profiltiefe an. Das Profil kann etwas flacher als bei Winterreifen sein, doch ein tiefes Profil ist immer gut. Sind Sie im Sommer mit Winterreifen unterwegs, so müssen Sie keine Strafe fürchten, auch nicht bei einem Unfall. Der Grund dafür ist, dass von Winterreifen im Sommer keine Gefahr ausgeht, im Gegensatz zu Sommerreifen im Winter. Der Nachteil von Winterreifen im Sommer liegt lediglich darin, dass der Kraftstoffverbrauch höher ist und dass die Fahreigenschaften von Winterreifen im Sommer schlechter als im Winter sind. Schonen Sie Ihre Winterreifen, lagern Sie sie für den Winter ein und fahren Sie in den Sommermonaten mit Sommerreifen. Auch hier sollten Sie bezüglich Qualität und Sicherheit keine Kompromisse eingehen.